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Review: Women & Tech – Herausforderungen und Strategien erfolgreicher Frauen in MarTech

2021 06 10 MCB WomenAndTech Review KachelKönnen Frauen eigentlich Tech?
Immer noch ist der Anteil weiblicher Führungskräfte im Digital-Bereich – wie bspw. im MarTech-Sektor – verschwindend gering. Immer noch fließen die meisten Investments im Startup-Sektor an männliche Founder-Teams während Gründerinnen grundsätzlich unterrepräsentiert sind. Wie relevant sind auch heute noch althergebrachte Rollenbilder und Geschlechterklischees?

 

 

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Diesen und vielen weiteren Fragen wollten über 30 Mitglieder und Gäste des Marketing Club Berlin auf den Grund gehen, als sie sich online bei der ersten Veranstaltung der MarketingFrauen in Berlin trafen. Die einführenden Worte sprach Andrea Kaul, Geschäftsstellenleiterin des MC Berlin und zuständige MarketingFrau des Berliner Clubs, die den Abend konzipiert und organisiert hatte. Moderatorin Svenja Lassen, Managing Director primeCROWD Germany, stellte das hochkarätig besetzte Panel angesichts von nur 16% weiblichen Tech-Startup-Gründerinnen und nur 8% weiblichen Investorinnen mit Stolz vor. Die jungen Female Leaders gaben spannende Einblicke in ihren Werdegang, diverse Arbeitsorganisationen, gläserne Decken und teilten ihre Meinungen zu Themen wie Gender Pay Gap und Gendersternchen:
Tatjana Biallas, 33, Managing Director International, Unify Group / Geschäftsführerin gofeminin.de
Magdalena Pusch, 28, Co-Founder / CMO FRAMEN & Vorständin Programm MCB
Ann-Cathrin Edelhoff, 28, Founder STRIIVE / Ex-Facebook

Es wurde ein Abend mit vielen persönlichen Stories, der von Offenheit und Wertschätzung geprägt war und zum Austausch vieler Praxis-Beispiele anregte.

In ihrem Impuls-Vortrag begann Tatjana Biallas mit zwei klaren Leitsätzen, die jede Frau sich zu Herzen nehmen sollte:

1. „Die kochen auch nur mit Wasser!“ und
2. “If you don´t ask, the answer is always no.”

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Beim Netzwerken empfahl sie, nicht auf Sammlung von Kontakten aus zu sein, sondern mit der Haltung „help others“ vorzugehen – umso positiver bleibt man seinen Netzwerkpartnern in Erinnerung und kann selbst einmal Hilfe einfordern.

Magdalena Pusch hat Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt studiert, dort ein Google-Startup-Weekend mitinitiiert und in während eines Auslandssemesters ihren Startup-Traum im Silicon Valley realisiert. Dort gründete sie prompt ihr erstes Startup mit 2 männlichen Co-Foundern, angeregt durch die offene und positive Gründungsatmosphäre. Die Themen Self-Promotion und Sichtbarkeit haben in den USA einen höheren Stellenwert und werden bereits in der Schule erlernt, während im deutschen Schulsystem die Einschränkung der kindlichen Kreativität leider immer noch Realität ist. Aus diesem Grund ist Magdalena oft als Role Model und Mentorin in Schulen, erzählt aus ihrem Lebenslauf und macht den Kindern Mut zu Selbständigkeit, dem Erlernen möglichst vieler Fähigkeiten und einer Just-Do-It-Mentalität.

STRIVE-Gründerin Ann-Cathrin Edelhoff, die vorher im Performance-Marketing bei Facebook war, hat sich auf die Fahnen geschrieben, diskriminierende Werbung zu verhindern, auch wenn der Kunde es so gebrieft hat. Sie geht dabei faktenbasiert und möglichst unemotional vor. Bei ihren Kampagnen versucht sie, die aus der Werbezielgruppe abgeleiteten Personas nicht zu stereotypisch zu formulieren und alle sich daraus ergebenden Visuals und Claims kritisch zu hinterfragen..
Auch Magdalena Pusch wies darauf hin, dass drohende Shitstorms Kunden schnell zur Raison bringen, aber es ein kritischer Punkt in der Ansprache des Kunden durch den Dienstleister bleibt. Außerdem betont sie den Wert von Marktforschung (auch für Kampagnenwirkungen) nahe an der Zielgruppe getreu dem Saatchi&Saatchi-Motto: „Wenn ihr wissen wollt, wie der Löwe tickt, geh nicht in den Zoo sondern in den Dschungel!“

Tatjana Biallas hat bei ihrem Online-Magazin GoFeminin 90% weibliche Angestellte und versucht, nicht nur deren Chefin, sondern auch deren Mentor:in zu sein und sie nach ihrem WHY zu fragen: Bist du glücklich hier? Warum machst du hier deinen Job? Was sind deine beruflichen/privaten Ziele im Leben? Was ist dein Purpose?

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Zur Gender-Diskussion waren sich alle Panelistinnen einig: Gendersternchen oder eine genderneutrale Formulierung sollten heute Standard sein. Wobei die neutrale Ausdrucksweise (Studierende statt Student:innen) oft weniger sperrig ist, speziell in Überschriften (Edelhoff). Es ist übrigens erwiesen, dass seit Einführung der Gendersprache in Stellenanzeigen (m/w/d) die Bewerbungen weiblicher Kandidatinnen zugenommen haben.

Als Beispiele, wie der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht werden kann, wurde folgendes diskutiert
1. Mentoringprogramme junger Role Models in Schulen
2. Reverse Mentoring: jüngere Mentoren bringen älteren Mentees etwas bei (z.B. größere digital literacy) und sind dadurch sichtbar für weitere Karriereschritte
3. Cross-Mentoring: Austausch über Generationen hinweg: Berufs- und Lebenserfahrungen werden gegen Trends und Skills der Gen Z getauscht
4. Aufbau eines Unterstützer-Netzwerks im Unternehmen, das einen promotet

Beim Thema Gender Pay Gap betonten die Referentinnen, dass selbstverständlich gleiche Arbeit mit gleicher Gehaltsstufe vergütet werden muss, ohne Unterschied, ob Mann oder Frau. Auch der offene Austausch mit männlichen Kollegen und die gemeinsame Ansprache des Managements bei offengelegten Gender Pay Gaps waren erfolgreich. Und niemals sollte vergessen werden, „Nein“ zu sagen, wenn zusätzliche Arbeit ohne zusätzliche Leistungen verteilt würde. Eine gute Antwort auf die Gehaltsfrage sei: „Was meine männlichen Kollegen auf dieser Position verdienen bzw. was mein männlicher Vorgänger verdient hat!“

Abschließend fragte die Moderatorin Svenja Lassen nach Tipps, wie sich die Panelistinnen in ihrem Alltag als weibliche Führungskraft in der Spur halten. Als Beispiele wurden Vision Writing, die schriftliche Aufzeichnung (und spätere Kontrolle) von Jahresvorsätzen sowie das japanische System des IKIGAI zur regelmäßigen Re-Justierung der eigenen Position und der eigenen Wünsche genannt.

Wir danken den drei Panelistinnen für ihre Offenheit und Transparenz und der Moderatorin für die gekonnte Gesprächsführung, die zu einer regen Abschlussdiskussion unter den anwesenden Teilnehmer:innen führte.

Der Abend hat allen sehr viel Spaß gemacht, was auch die 100%-Zustimmungsquote unseres Surveys, das die Teilnehmer:innen im Anschluss ausgefüllt haben, zeigte. „Sympathische Einführung, gute Moderation, klasse Panelistinnen und interessante Beiträge“ war eines der vielen positiven Feedbacks – herzlichen Dank dafür!
Wer mehr über die MarketingFrauen wissen oder sich selbst aktiv engagieren möchte, kann sich sehr gerne an Andrea Kaul in der Geschäftsstelle des MC Berlin melden!

Autor des Reviews: Thomas Andersen



thomas andersenDipl.-Kaufmann Thomas Andersen machte sich nach über 20 Jahren in Marketing und Vertrieb von FMCG-Herstellern 2004 mit der Andersen Marketing KG selbständig und berät seither Startups und KMU bei der strategischen Ausrichtung ihrer Geschäftsfelder, bei der Optimierung von Businessplan und Pitch Deck sowie beim Matchmaking mit Banken, Investoren und Kooperationspartnern.

 

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