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Fachartikel: Content, Quality, Cash? Qualitätswahrnehmung und Zahlungsbereitschaft für News-Angebote bei jungen Zielgruppen

Fachartikel zur 5. Konferenz „Medien, Marketing & More“ am 18. Dezember 2019 in Berlin von Udo Bomnüter

Abstract
Die deutschen Nachrichtenverlage stehen vor der Herausforderung, weiterhin qualitativ hochwertige journalistische Inhalte bereitzustellen, obwohl vor allem jüngere Zielgruppen immer weniger Bereitschaft zeigen, für eben solche Inhalte zu bezahlen. Printnachrichten werden kaum noch, Online-Nachrichten überwiegend kostenlos rezipiert. Zugleich zeigt die ausgeprägte Nutzung von (unterhaltenden) Streaming-Angeboten wie Netflix und Spotify, dass jugendliche Onliner durchaus bereit sind, für den Abschluss von Medienabonnements zu bezahlen. Die Gründe für dieses Phänomen sind unzureichend erforscht.

Eine aktuelle Untersuchung von Journalismus-Studierenden der DEKRA | Hochschule für Medien widmet sich offenen Fragen zur Zahlungsbereitschaft für News-Angebote und möglichen Einflüssen darauf und erfasst Aspekte der Relevanz, Nutzung und Qualitätsbeurteilung von Nachrichten durch User zwischen 18 und 29 Jahren. Die Ergebnisse bestätigen die mangelnde Zahlungsbereitschaft, trotz einer hohen empfundenen Relevanz von Nachrichten. Die meisten Befragten würden eher auf ein Nachrichten- als auf ein Streaming-Abonnement verzichten. Klare Einflussfaktoren ließen sich jedoch nicht ermitteln. Nur knapp die Hälfte der Befragten informiert sich täglich, haupt- sächlich online über die Sozialen Medien.

Journalistische Qualität wird dennoch geschätzt. Entsprechend besteht ein Bedarf sowohl an weiterführender Forschung, als auch an neuen Content-Strategien der Nachrichtenverlage.

1. Einleitung
Angesichts der zunehmenden Mediatisierung und Digitalisierung des Alltags (nicht nur) in Deutschland erscheint vielen Menschen ein Leben ohne die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien kaum mehr möglich. Während sich unterhaltende Streaming- Angebote wie Netflix und Amazon Prime großer Beliebtheit erfreuen, scheint zugleich das Publikumsinteresse an traditionellen Nachrichtenangeboten, vor allem im Print-Bereich, stetig abzunehmen. Beispielsweise ist die Auflage der verkauften Tageszeitungen in Deutschland seit 1999 von 24,1 Mio. auf 13,5 Mio., also um knapp 45% zurückgegangen (Statista/BDZV 2019). Um der resultierenden Gefährdung bewährter Geschäfts- und Erlösmodelle zu begegnen, setzen immer mehr Nachrichtenverlage auf Bezahlmodelle (Paid-Content), um ihre Inhalte digital zu monetarisieren. Mit zunehmender Erweiterung des Angebots werden bestimmte Inhalte wie längere Reportagen, Bilder, Videos und/ oder ausgewählte „Premium“-Beiträge häufig nur noch gegen Bezahlung angeboten. Die Auswahl der Bezahlangebote reicht hierbei von „harten“ Paywall- und Abonnementmodellen über Freemium- und Metered-Varianten bis hin zu freiwilligen Bezahlmodellen. Mittlerweile nutzen 228 deutsche Zeitungen Bezahlmodelle (BDZV 2019). Für manche Rezipienten, die bereit sind für Qualitätsinhalte zu bezahlen, ist dies schon längst im Alltag angekommen; andere hingegen setzen auf kostenlose Inhalte aus dem Netz. Laut dem Digital News Report 2019 des Reuters Institute for the Study of Journalism ist der Anteil deutscher Online-User, der im Internet für Nachrichten bezahlt, mit acht Prozent nach wie vor auf einem niedrigen Niveau (Borgböhmer 2019). Zugleich besteht ein gesellschaftliches Interesse an der Bereitstellung qualitativ hochwertiger, investigativer journalistischer Inhalte, wie sich beispielsweise an der aktuellen Forderung diverser Medienvertreter und -institutionen nach der Einführung des gemeinnützigen Journalismus in Deutschland ablesen lässt (Beckedahl 2019).

Vor diesem Hintergrund wurde im Oktober 2019 von Studierenden des Studiengangs Journalismus der DEKRA | Hochschule für Medien eine Marktforschungsstudie durchgeführt, die sich mit dem zentralen Problem der Zahlungsbereitschaft junger Zielgruppen für News-Angebote in Deutschland beschäftigt, mit einem Fokus auf Online- versus Print-Medien.

Im Folgenden werden Ziele, Aufbau und ausgewählte Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt und mit bereits vorliegenden Ergebnissen weiterer Studien abgeglichen. Im abschließenden Fazit werden auch Ansatzpunkte für weiterführende Forschungsvorhaben aufgezeigt.

2. Untersuchungsdesign und Durchführung
Ziel der vorliegenden Marktforschungsstudie war es herauszufinden, inwieweit deutsche Online-User im Alter von 18-29 Jahren bereit sind, für kostenpflichtige Nachrichtenangebote zu zahlen. Auf Grundlage der Ergebnisse vorangegangener Studien (z. B. Buschow & Wellbrock 2019: 28) und gruppeninterner Erfahrungsauswertung wurde die Hypothese aufgestellt, dass sich die Zahlungsbereitschaft für Online-Angebote signifikant von der Zahlungsbereitschaft für Printangebote unterscheidet. Weiterhin sollte beleuchtet werden, wie die Relevanz von Nachrichten eingestuft wird, u. a. im Vergleich zu Unterhaltungsangeboten; welche Art von Journalismus die User am meisten schätzen; und ob es Unterschiede in der Zahlungsbereitschaft zwischen Männern und Frauen gibt. Ergänzend wurde das Informationsverhalten der Befragten abgebildet.

Die Untersuchung war als mehrheitlich deskriptive, quantitative Querschnittsuntersuchung angelegt. Die Grundgesamtheit umfasst 11,5 Mio. junge Erwachsene im Alter von 18-29 Jah- ren in Deutschland (Destatis 2019). Auf Grundlage explorativer Interviews mit 14 jugendlichen Usern wurde ein standardisierter Online-Fragebogen mit sieben Sektionen und 32 Fragen entwickelt. Dieser war vom 10.-14. Oktober 2019 zugänglich und wurde von 117 Personen zwischen 18 und 28 Jahren beantwortet. Die Auswahl erfolgte über das Soziale Netzwerk der Studierenden (Convenience Sampling). Die Rücklaufquote betrug 41% . Die meisten Teilnehmer leben in Berlin. Knapp zwei Drittel der Teilnehmer sind weiblich (65,8%); ein ähnlich hoher Prozentsatz (65,0%) sind Studierende. Das verfügbare monatliche Nettoeinkommen beträgt bei der Mehrzahl der Befragten (70,9%) nicht mehr als 500 Euro. Die meisten (56,4%) wohnen noch zuhause bei ihren Eltern. Die Teilnehmer sind durchschnittlich 20,6 Jahre alt, der Modus beträgt 20 Jahre. Somit gehört ein großer Teil zur „Generation Z“, den Digital Natives, die mit dem Internet groß geworden sind und eine ausgeprägte mediale Affinität besitzen.

3. Ausgewählte Untersuchungsergebnisse
Sämtliche Teilnehmer haben angegeben, regelmäßig ein Smartphone zu benutzen. 109 von 117 Personen (93,2%) nutzen dieses auch zur Nachrichtenrezeption.

Betrachtet man allgemein den Aspekt, welche Form der Nachrichtenrezeption die Befragten nutzen, fällt auf, dass der größere Teil, nämlich 71 von 117 Personen (60,7%), zur Nachrichtenrezeption Online-Angebote nutzt. Nur acht (6,8%) der Befragten nutzen ausschließlich Printangebote. Immerhin 25 Personen (21,4%) verwenden beides. Damit werden Online-Angebote mit Abstand am häufigsten genutzt (s. Abbildung 1).

Diese Werte stehen in Einklang mit Erkenntnissen aus dem o. g. Digital News Report des Reuters Institute, wonach 69% der deutschen Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren angaben, das Internet als Hauptnachrichtenquelle zu nutzen (Hölig & Hasebrink 2019: 20).

In der vorliegenden Untersuchung haben weiterhin nur 20 von 117 Personen (17,1%) angegeben, dass sie ein kostenpflichtiges Nachrichtenabonnement nutzen. Acht von ihnen (40%) zahlen dafür vollständig oder teilweise selbst. Nur fünf der Befragten machten eine konkrete Angabe dazu, wie viel für dieses Abonnement gezahlt wird; deren Mittel liegt bei 12,10 Euro.

Auf die Frage nach der Bereitschaft, für kostenpflichtige Online-Nachrichtenabonnements zu bezahlen, gaben 23% bzw. 24% (27 bzw. 28 Personen) der Befragten an, nichts oder nur 1-5 Euro pro Monat bezahlen zu wollen. Der größte Teil (34,2%) zeigte sich bereit, 6-15 Euro für Nachrichtenabonnements zu bezahlen (s. Abbildung 2) – obwohl nur acht Personen (6,8%) tatsächlich für Nachrichten bezahlen. Die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft betrug 9,89 Euro.

Immerhin stellte sich heraus, dass gut ein Viertel der Befragten (26,4%) lieber ein Print- als ein Online-Abonnement hätte, wenn sie sich eines aussuchen könnten.

Diese Werte decken sich überwiegend mit den Ergebnissen anderer Untersuchungen. Laut dem Digital News Report 2019 haben elf Prozent der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren im Vorjahr Geld für Online News-Angebote ausgegeben (Borgböhmer 2019). Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) 2018 haben immerhin 39% der deutschen 18-29jährigen allgemein schon einmal für einzelne journalistische Online-Inhalte Geld ausgegeben (PwC 2019: 11).

Als Begründung für die mangelnde Zahlungsbereitschaft in der vorliegenden Umfrage wurde u. a. angegeben, dass Befragte das Gefühl haben, bereits für Nachrichten zu bezahlen, da sie für die Rundfunkgebühren aufkommen müssen. Damit stünde ihnen eine große Auswahl an Nachrichtenquellen zur Verfügung, weswegen sie kein weiteres Abonnement benötigen. Zusätzlich wurden die für unsere Befragten zufriedenstellenden, immer verfügbaren kostenlosen Online-Angebote für Nachrichten in Konkurrenz zu den zahlungspflichtigen Abonnements angegeben. Auch hier finden sich Übereinstimmungen zu Ergebnissen der PwC-Studie, bei der als Hauptgrund gegen Bezahlmodelle neben der mangelnden Wichtigkeit der Informationen (54%) genannt wurde: „An anderen Stellen bzw. auf anderen Seiten bekomme ich die Informationen gratis.“ (PwC 2019: 12).

Aufgrund der geringen Anzahl tatsächlicher User kostenpflichtiger Nachrichtenabonnements in der vorliegenden Stichprobe, von denen Angaben zum Zahlungsverhalten vorliegen (sechs Personen) ist die Korrelationsanalyse zur Ermittlung eines möglichen Zusammenhangs zwischen tatsächlichen Ausgaben und Zahlungsbereitschaft2 nicht aussagekräftig.

Bei der Betrachtung des Verhältnisses zwischen Nutzungs- bzw. Zahlungsverhalten und Zahlungsbereitschaft im Bereich Streaming-Angebote bietet sich ein anderes Bild. 114 der Teilnehmer (97 %) gaben an, bereits ein zahlungspflichtiges Streaming-Angebot zu nutzen, wobei 70 Personen dafür teilweise oder vollständig bezahlen. Durchschnittlich werden 7,14 Euro pro Monat bezahlt.

Damit liegt die Nutzung zahlungspflichtiger Streaming-Angebote deutlich über den Werten aus einer aktuellen GfK-Studie zur Nutzung von Subscription-Video-on-Demand (SVOD), die für die Altersgruppe von 14 bis 39 Jahren einen Wert von knapp 60% ausweist (Herrmann 2019). Es ist zu vermuten, dass sich die Aussagen der Befragten in der vorliegenden Untersuchung auch auf Streaming-Angebote von Musik (Spotify, Deezer etc.) beziehen, da unspezifisch nach „Streaming-Angeboten“ gefragt wurde.

Auf die Frage nach der Zahlungsbereitschaft für Streaming-Angebote gaben 52,1% der Befrag- ten an, dass sie monatlich zwischen 6 und 15 Euro ausgeben würden (s. Abbildung 3). Nur zwei Personen waren nicht bereit dafür zu bezahlen. Der errechnete Durchschnitt von 15,30 Euro liegt nah an der Obergrenze dieser Kategorie; der Median liegt bei 10,50 Euro. Die größere Zahlungsbereitschaft spiegelt sich auch in der Korrelationsanalyse wider: Das Zahlungsverhalten und die Zahlungsbereitschaft für Streaming-Angebote weisen eine mäßige positive Beziehung auf, bei einem Wert von r = 0,415.

Der Vergleich der Zahlungsbereitschaft der Befragten für Streaming-Abonnements mit der Zahlungsbereitschaft für Nachrichtenabonnements zeigt, dass sie bei vergleichbaren Standardabweichungen3 durchschnittlich bereit wären, 5,41 Euro mehr für unterhaltende Streaming-Angebote zu zahlen als für informative Nachrichten. Dabei ist zu beachten, dass Zeitungsabonnements monatlich häufig höhere Kosten mit sich bringen. So kostet ein Abonnement für das E-Paper des Tagesspiegels beispielsweise 34,99 Euro im Monat (Tagesspiegel 2019), während sich die Kosten für das Standardangebot von Netflix monatlich auf lediglich 11,99 Euro belaufen (Werner 2019).

Dabei ist die Zahlungsbereitschaft für ein Zeitungsabonnement offenbar unabhängig von der bevorzugten Zeitungsmarke. Obwohl zum Beispiel 32 Personen angaben, gerne regelmäßig den Tagesspiegel zu lesen, ergibt sich nur eine vernachlässigbare positive Korrelation (r = 0,107) in Bezug zur Zahlungsbereitschaft.

Auch die Bedeutung, die der Information über die aktuelle Nachrichtenlage zugemessen wird, hat offensichtlich keinen Einfluss auf die Zahlungsbereitschaft. 94 der 117 Befragten (80,3%) gaben an, dass es ihnen „wichtig“ oder „sehr wichtig“ ist, sich über das aktuelle Tagesgeschehen zu informieren (s. Abbildung 4). Trotzdem lässt sich zwischen diesen Angaben und der Zahlungsbereitschaft keine signifikante Korrelation (r = 0,071) feststellen.

Die Befragten gaben dabei relativ unterschiedliche Gründe für die empfundene Wichtigkeit oder Unwichtigkeit der Nachrichtenrezeption an. Maßgebliches Hauptargument für die Wichtigkeit war bei 38 Personen (32,5%) „Interesse“. Als stärkste Argumente gegen die Wichtigkeit nannten jeweils sieben Personen (je 6,0%) „kein Interesse“ und (negative) Auswirkungen auf die Psyche.

Nur knapp die Hälfte der der Befragten, 57 von 117 Personen (48,7%), informieren sich mindestens einmal täglich. 60 Personen (51,3%) informieren sich maximal „mehrmals wöchentlich“, davon acht Personen (6,8%) sogar „seltener“ als wöchentlich (s. Abbildung 5).

Zum Informationsprozess selbst wurden als hauptsächliche Vorgehensweisen das Überfliegen von Artikeln (29,1%) und das Lesen in den Sozialen Medien (23,1%) genannt. Zudem gaben 60 Personen (51,3%) an, dass sich die meisten Menschen in ihrem Umfeld hauptsächlich über Soziale Medien informieren. Auch dies entspricht ungefähr den Ergebnissen des Digital News Report, nach dem die Hauptnachrichtenquelle im Internet bei den 18-34jährigen mittlerweile mit über 20% die Sozialen Medien darstellen (Hölig & Hasebrink 2019: 21).

Um herausfinden, ob zwischen der Wichtigkeit der Nachrichtenrezeption und der Häufigkeit der Informationsaufnahme eine Abhängigkeit besteht, wurde der Korrelationskoeffizient berechnet. Das Ergebnis (r =0,62) weist auf einen starken, positiven, linearen Zusammenhang zwischen den beiden Variablen hin. Je wichtiger es den Befragten ist, sich zu informieren, desto häufiger scheinen sie dies auch zu tun.  Dennoch nutzen 97 von 117 Personen (82,9%) kein kostenpflichtiges Nachrichtenabonnement. Immerhin ist es 18 der 20 Abonnenten unter den Befragten wichtig bzw. sehr wichtig, informiert zu sein. Ein ergänzend durchgeführter Chi2-Test lieferte jedoch keinen Hinweis auf eine mögliche Abhängigkeit.

Ob ein Zusammenhang zwischen der Form und der Häufigkeit der Nachrichtenrezeption vorliegt wurde mittels eines weiteren Chi2-Tests überprüft. Dessen Ergebnis bestätigt einen solchen Zusammenhang . Dabei neigen vor allem die Nichtleser traditioneller Nachrichten-medien wie des Spiegel, der mit 45 Befragten (38,5%) das meistgelesene Medium dar-stellt , zu einer höheren Informationshäufigkeit als erwartet.

Die existierenden kostenlosen Online-Nachrichtenangebote wurden überwiegend positiv bewertet. 60 Befragte vergaben die Schulnote „gut“ für die existierenden kostenlosen Nach-richtenangebote, elf sogar die Note „sehr gut“. 32 Personen bewerten sie im Bereich „be-friedigend“. Nur eine Person vergab ein „mangelhaft“ und niemand ein „ungenügend“, so-dass sich eine durchschnittliche Bewertung von 2,34 („noch gut“) ergibt. Daraus kann ge-schlossen werden, dass die Mehrheit bereits mit dem Nachrichtenangebot zufrieden ist, dass sie ohne Zahlungsverpflichtung erhalten können. 

Die vorhandenen kostenlosen Alternativen wurden auch oft als Grund für die Entscheidung gegen ein Abo genannt. Hinzu kommt, dass viele Teilnehmer der Ansicht sind, dass Informa-tionen ohnehin für alle Menschen grundsätzlich kostenfrei zugänglich sein müssten. Als ein Hauptgrund für den Abschluss eines Abonnements wurde die Regelmäßigkeit der Informati-onsbereitstellung genannt. Mehrfach wurde angegeben, dass die Zahlungspflicht sogar einen 

Ansporn darstellen würde, sich täglich und ausführlich mit der aktuellen Nachrichtenlage zu beschäftigen. 

Bei der Betrachtung der Antworten zu den offenen Fragen 9 und 10, was „gute Nachrichten“ bzw. die „Qualität von Nachrichten“ ausmacht, ist aufgefallen, dass wider Erwarten selten Aspekte wie Aktualität oder Schnelligkeit angegeben wurden. Hingegen wurden Aspekte wie Wahrheitsgehalt jeweils 54mal (46,2%) und Objektivität 48mal (41,0%) bzw. 40mal (34,2%) und damit am häufigsten genannt. Für die Befragten scheint demnach die Aktualität von Nachrichten, und dass sie jederzeit verfügbar sind, selbstverständlich zu sein; dass diese Nachrichten auch der Wahrheit entsprechen und diese objektiv wiedergeben jedoch nicht. 

Auf die direkte Frage danach, welche Inhalte die Teilnehmer für ihr Geld sehen möchten, wenn sie für Nachrichten bezahlen würden, wurde entsprechend mit 89 von 314 Nennungen (28,3%) am häufigsten „weitere Hintergrundinformationen“ genannt, gefolgt von „besondere Reportagen“ (71 Nennungen) und „journalistische Langzeitprojekte“ (39 Nennungen).

Um zu überprüfen, welche Variablen die Zahlungsbereitschaft noch beeinflussen könnten, wurde zunächst die erfragte Zahlungsbereitschaft für Nachrichtenabonnements und das Geschlecht der Befragten in Relation gesetzt. Jedoch lieferten weder ein Chi2-Test noch eine Korrelationsanalyse (r = -0,02) Anhaltspunkte für einen Zusammenhang. 

Als weitere mögliche Einflussgrößen auf die Zahlungsbereitschaft der Befragten für Online-Nachrichtenabonnements wurden die derzeitige Wohnsituation, die berufliche Tätigkeit und das zur freien Verfügung stehende Einkommen untersucht. Dabei konnten keinerlei Zusammenhänge festgestellt werden. Auffällig war jedoch das Vorliegen schwacher positiver Beziehungen zwischen der Zahlungsbereitschaft für ein Streaming-Angebot und dem Einkommen (r = 0,273) sowie zwischen den tatsächlichen Ausgaben für Streaming-Dienste und dem zur Verfügung stehenden Einkommen (r = 0,220). Daraus lässt sich schließen, dass die Befragten, wenn sie über das nötige Geld verfügen, eher gewillt sind dieses für Streaming-Angebote auszugeben, nicht jedoch für Nachrichtenabonnements. Diese Erkenntnis erklärt auch die Antworten auf Frage 27, bei der 88,5% der Teilnehmer angaben, eher auf ein Nachrichten- als auf ein Streaming-Abonnement verzichten zu wollen. 

4. Fazit

Als Kernergebnis der Marktforschungsstudie kann festgehalten werden, dass die befragten 18-29jährigen Online-User zwar großen Wert auf Nachrichten legen, die sie bevorzugt online rezipieren. Es ist jedoch nur ein kleiner Teil von ihnen auch bereit, für Nachrichten zu bezahlen. 

Angesichts der geringen Nutzung von Printangeboten und Nachrichtenabonnements in der Stichprobe konnte zu den vermuteten Unterschieden in der Zahlungsbereitschaft zwischen 

Print und Online keine Aussage getroffen werden; hier ist eine entsprechende Untersuchung mit einer größeren Fallzahl anzuraten. Immerhin stellte sich heraus, dass ein Viertel der Befragten lieber ein Print- als ein Online-Abonnement hätte, wenn sie die Wahl hätten.

Trotz der Bedeutung, die Nachrichten allgemein zugemessen wird, informiert sich nur knapp die Hälfte der Befragten täglich. Hauptquelle ist das Internet, speziell die Sozialen Medien. Diese Erkenntnis ist insofern wenig überraschend, als die Personengruppe von 18 bis 29 Jahren ohnehin viel Zeit in den Sozialen Netzwerken verbringt und sich Nachrichten dort allgemein schnell verbreiten (Hölig & Hasebrink 2016: 539).

Ob ein solches Verhalten aber möglicherweise von mangelndem Interesse oder mangelnder Bereitschaft zeugt, sich intensiver mit einem Nachrichtenthema auseinander zu setzen, sollte Gegenstand weiterführender Forschung sein; ebenso der angedeutete Zusammenhang negativer Auswirkungen von Nachrichten auf die Psyche mit der empfundener Wichtigkeit der Nachrichtenrezeption.

Anders als bei Nachrichtenangeboten nutzen fast alle Teilnehmer mindestens ein Streaming-Abonnement und weisen eine entsprechende Zahlungsbereitschaft auf. Nicht zuletzt angesichts der kostenlosen, positiv bewerteten Alternativen zu zahlungspflichtigen, mitunter relativ teuren Nachrichtenabonnements gibt es bei ihnen eine klare Tendenz: nur gut zehn Prozent würden ein Nachrichten- einem Streaming-Abonnement vorziehen.

Darüber hinaus konnten trotz eingehender Analysen keine spezifischen Faktoren, die möglicherweise einen Einfluss auf die Zahlungsbereitschaft für Nachrichten ausüben, identifiziert werden.

Zum Thema Nachrichtenqualität ließen die Aussagen der Befragten erkennen, dass sie die sorgfältige Arbeit von Journalisten prinzipiell durchaus wertschätzen, trotz ihrer relativ geringen Bereitschaft, für deren Ergebnisse zu bezahlen. Das daraus resultierende Dilemma für Nachrichtenverlage, deren Erlösmodell ja gerade auf der Bereitstellung hochwertiger Nachrichten basiert, schafft Handlungsdruck. Über die Forderung nach einem gemeinnützigen Journalismus hinaus sind daher neue Content-Strategien erforderlich, um junge Zielgruppen dauerhaft als Kunden zu gewinnen. Die damit verbundenen Herausforderungen sind unter dem Motto „Content, Quality, Cash?“ Gegenstand der diesjährigen Konferenz „Medien, Marketing & More“ der DEKRA Hochschule für Medien und des Marketing Club Berlin, die am 18. Dezember 2019 in Berlin-Friedrichshain stattfindet.

Quellenverzeichnis

BDZV: Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (2019). Paid Content Angebote deutscher Zeitungen, https://www.bdzv.de/maerkte-und-daten/digitales/paidcontent/ (21.11.2019)

Beckedahl, M. (2019). Offener Brief an den Bundesrat: Warum wir gemeinnützigen Journa-lismus brauchen. In: Netpolitik.org, https://netzpolitik.org/2019/offener-brief-an-den-bundesrat-warum-wir-gemeinnuetzigen-journalismus-brauchen (12.12.2019)

 Borgböhmer, T. (2019). Nur geringe Zahlungsbereitschaft: Deutsche gehören zu Europas Paid- Content Muffeln. In: Meedia.de, https://meedia.de/2019/06/12/nur-geringe-zahlungsbereitschaft-deutsche-gehoeren-zu-europas-paid-content-muffeln/ (15.10.2019)

Buschow, C. & Wellbrock, C. (2019). Money for Nothing and Content for Free? Zahlungsbe-reitschaft für digitaljournalistische Inhalte. Whitepaper. Landesanstalt für Medien NRW, https://www.medienanstalt-nrw.de/fileadmin/user_upload/lfm-nrw/Foerderung/Forschung/Zahlunsbereitschaft/LFMNRW_Whitepaper_Zahlungsbereitschaft.pdf (25.11.2019).

 Destatis: Statistisches Bundesamt (2019). GENESIS-Online Datenbank “Bevölkerung”, https://www-genesis.destatis.de/genesis/online (25.11.2019).

 Herrmann, Susanne (2019). Kostenpflichtige Streamingdienste fesselten im vierten Quartal 2018 die Deutschen für eine Milliarde Stunden vor den Geräten. In: WuV.de, https://www.wuv.de/medien/18_8_millionen_deutsche_bezahlen_fuer_streaming (10.12.2019)

 Hölig, S. & Hasebrink, U. (2016). Nachrichtennutzung über soziale Medien im internationalen Vergleich. In: Media Perspektiven, 11/2016, S. 534-538.

Hölig, S. & Hasebrink, U. (2019). Reuters Institute Digital News Report 2019: Ergebnisse für Deutschland. Arbeitspapier Nr. 47 des HBI, https://www.hans-bredow-institut.de/uploads/media/default/cms/media/os943xm_AP47_RDNR19_Deutschland.pdf (10.12.2019)

 PricewaterhouseCoopers (PwC) (2019). Ergebnisse: Bevölkerungsbefragung zur Nutzung von Online-Medienangeboten, https://www.pwc.de/de/technologie-medien-und-telekommunikation/pwc-befragung-nutzung-online-medienangebote.pdf (10.12.2019)

Statista/ BDZV (2019). Entwicklung der verkauften Auflage der Tageszeitungen in Deutsch-land in ausgewählten Jahren von 1991 bis 2019, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/72084/umfrage/verkaufte-auflage-von-tageszeitungen-in-deutschland/ (21.11.2019)

Tagesspiegel (2019). Der Tagesspiegel als digitale Zeitung. In: Tagesspiegel.de, https://abo.tagesspiegel.de/digitalangebote/epaper-probeabo (09.12.2019).

Werner, S. (2019). Netflix-Kosten 2019: Die aktuellen Abo-Preise nach der Erhöhung. In: Ki-no.de, https://www.kino.de/unternehmen/netflix-2/news/netflix-kosten-2019-die-aktuellen-abo-preise-nach-der-erhoehung/ (09.12.2019).


[1] Fünf Personen gehörten dabei nicht zur Altersgruppe der 18-29jährigen und wurden aus der ursprünglichen Stichprobe von n = 122 Personen ausgenommen.

[2] Hierbei wurde ein Wert von r = 0,076 ermittelt.

[3] Bei Nachrichtenabonnements betrug diese sN = 11,36 Euro, bei Streaming-Angeboten sA = 11,41 Euro.

[4] Inwiefern sich hier möglicherweise die soziale Erwünschtheit eines Nachrichteninteresses auf das Antwortverhalten ausgewirkt hat, kann nur vermutet werden.

[5] Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass die Befragten möglicherweise unterschiedliche Auffassungen davon haben, was „sich informieren“ für sie bedeutet.

[6] Mit einer Wahrscheinlichkeit von p = 0,991.

[7] Weitere vielgelesene Titel sind Der Tagesspiegel (32 Nennungen), Die Zeit (30 Nennungen) und die F.A.Z. (23 Nennungen); immerhin 14 Personen nannten die New York Times.


Dr. Udo BomnüterZum Autor

Dr. Udo Bomnüter ist Professor für Kommunikationsmanagement an der DEKRA | Hochschule für Medien in Berlin. Zu seinen Forschungsgebieten zählen Geschäftsmodelle von Medienunternehmen, Medienpolitik und -transfer sowie innovative Kommunikations- und Erzählformen.

Die von ihm mit Thorsten Doil konzipierte Konferenz „Medien, Marketing & More“ der DEKRA | Hochschule für Medien mit dem Marketing Club Berlin findet dieses Jahr zum fünften Mal statt.

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