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Berlin

Upload-Filter sind der Todesstoß für das digitale Marketing

Philipp Kardinahl, Mitglied des Marketing Club Berlin e.V. und Berater für politische Kommunikation, spricht sich gegen Upload-Filter und Linksteuer aus, wie sie die EU-Urheberrechtsreform vorsehen.

Aus Sicht von Marketingverantwortlichen ist es existentiell, Inhalte zu verbreiten. Seit einigen Jahren bieten Internet und soziale Medien ungeahnte Möglichkeiten Märkte zu bearbeiten. Diese Kanäle leben vom Teilen und dem „Going Viral“ von Inhalten. Mit der Zustimmung zur Reform des Urheberrechts, wie sie dem EU Parlament am 5. Juli 2018 vorliegt, wäre das vorbei – der Todesstoß für das digitale Marketing.

 

Von offener Plattform zum Werkzeug der Kontrolle
Selbst der Begründer des Internets Barners-Lee wandte sich kürzlich mit anderen in einem offenen Brief dagegen, das Internet von einer offenen Plattform in ein Werkzeug für „automatisierte Überwachung und Nutzerkontrolle“ zu verwandeln.

Was ist der Hintergrund?
Die Reform sieht vor, dass nach Artikel 13 alle Betreiber von Internetplattformen – also auch Websites und Blogs - jede von Nutzern hochgeladene Datei (Bild, Audio und Video) im Voraus mithilfe von Software auf Urheberrechtsverletzungen prüfen müssen – der sogenannte Upload-Filter. Das wäre das Ende beispielsweise von Memes und dem Remix von Inhalten im Sinne der freien Meinungsäußerung. Die Lösung über einen Algorithmus legt den Grundstein für eine Zensur-Infrastruktur und greift tief in die Meinungsfreiheit ein. Weiterhin sieht Artikel 11 vor, dass kleinste Textausschnitte zu vergütungspflichtigen Inhalten werden, die sogenannte Linksteuer. Das Zitieren von und Verlinken auf mediale Inhalte kann dann zu einem teuren Vergnügen werden.

Gesunder Menschenverstand statt Zensurmaschine
Das Problem der aktuellen Debatte ist: Medienunternehmen tun sich schwer, ihre Inhalte digital verwertbar zu machen. Offenbar hat die Medienindustrie die „Neue Welt“ immer noch nicht verstanden. Wir brauchen gesunden Menschenverstand statt einer Zensurmaschine. Leider zielt der aktuell in Deutschland diskutierte Ansatz in die völlig falsche Richtung. Denn in den vergangen Jahren hat sich ein Unrechtsbewusstsein bei der Nutzung von Ton- und Filmmaterial bereits durchgesetzt. Bei Text- und Bildmaterial ist dieses Bewusstsein zwar noch weniger verbreitet, aber es gibt Ansätze, um in eine andere Richtung zu denken.

 

Erfahrungen vergangener Dekaden nutzen
Wenig verständlich ist, warum man an dieser Stelle nicht Erfahrungen einbringt, die in den vergangenen Dekaden gemacht wurden. Beispielsweise war im 20. Jahrhundert die Musikkassette sehr beliebt. Hier wurde entscheiden, nicht den einzelnen Nutzer für die Aufnahme der urheberrechtlich geschützten Inhalte zu belangen, sondern die Betreiber bzw. Anbieter derartiger Inhalte. Eine ähnliche Entwicklung gibt es aktuell bei den Streaming-Diensten. An den angebotenen Musik- und Filmtiteln verdient die Medienindustrie, nicht der Streaming-Dienst. Diese Erkenntnisse sollten auch im Text- und Bildbereich angewendet werden und könnten dort zu merklichen Umsatzzuwächsen führen.

Deutschland fällt digital weiter zurück
Problematisch für Deutschland ist, dass wir im Bereich Digitalisierung keineswegs auf einem der vorderen Plätze liegen. Die aktuelle Diskussion um Upload-Filter und die Linksteuer führt zu einem weiteren Zurückfallen bestehender und künftiger Unternehmen in Deutschland. Unverständlich ist das zusätzlich, weil sich der aktuelle Koalitionsvertrag ausdrücklich gegen Upload-Filter wendet.

 

Was ist zu tun?

• Nutzer von Text- und Bildmaterial sollten für die kommerzielle Nutzung der Inhalte zahlen.

• In Deutschland sollten „Fair Use“-Regelungen eingeführt werden, die es aktuell noch nicht gibt. „Fair Use“-Regelungen, Regeln zur angemessenen Verwendung, ermöglichen die begrenzte Nutzung von Ressourcen durch die Vertragsparteien.

• Wir brauchen eine Verwertungsgesellschaft 2.0. Auch wenn die Verwertungsgesellschaften oft Teil des Problems sind (Stichwort GEMA und deren Verteilerschlüssel), wäre ein derartiger Ansatz auch für die aktuelle Diskussion sinnstiftender, als die Kriminalisierung des Einzelnen.

• Wir brauchen eine internationale Lösung, keine deutsche. Das Netz macht nicht Halt an Grenzen. Insofern ist es zu begrüßen, den Blick nach außen zu wenden und gemeinsame Lösungen zu finden.

• Die Medienindustrie soll sich vordringlich mit der Anpassung der Verwertungsketten beschäftigen.

Für die Marketingbranche ist die aktuelle Diskussion und die Angst vor Urheberrechtsverletzungen lähmend.


Wer „sein Internet“ noch retten will, kann hier noch vor dem 5. Juli die Petition zeichnen und EU-Parlamentarier per Telefon, Email und Twitter aktivieren.

 


17 10 kardinahl politikstudie

Philipp Kardinahl ist in der Politischen Kommunikation tätig und beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Kampagnen, Reputationsmanagement, Emotionalität von Sprache und der IT-getriebene Überführung politischer Prozesse in digitale Räume. Unter anderem entwickelte er ein zielgruppenspezifisch ausbalanciertes Kommunikationssystem, das neben spezifischer fachlicher und angepasster emotionaler Ansprache eine direkte Response auf Eingaben der Interessengruppen generiert und eine direkte Evaluation politischer Programmatiken ermöglicht.

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