• Headerbild Berlin
    Anlaufstelle und Drehscheibe des Marketings in der Hauptstadt
  • Fest 2018
    Verleihung M-Ehrenpreis
  • BMT 2018
    Berliner Marketing Tag 2018
  • IMG 1281
    Treffpunkt Berliner Marketing Professionals
  • IMG 1287
    Kompetenz erleben
  • FH9T0212.2
    Veranstaltungen, Fachvorträge und Workshops
  • DMT 2018
  • Start
  • Blog
  • Der Weltreklamekongress 1929 – Eine Sternstunde für Berlin und die Werbung

Berlin

Der Weltreklamekongress 1929 – Eine Sternstunde für Berlin und die Werbung

18 06 weltreklamekongress 1aEs war ein Ereignis der Superlative: der Weltreklamekongress vom 11. bis 15. August 1929. Nie zuvor hatten sich Experten in so großer Zahl versammelt, um sich über Werbung auszutauschen. Rund fünftausend Teilnehmer aus dem In- und Ausland kamen nach Berlin. Der Weltreklamekongress war bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg die größte internationale Tagung, die jemals in Deutschland stattgefunden hatte. In den „goldenen Jahren“ der Weimarer Republik war die prosperierende Reichshauptstadt experimentierfreudig und weltoffen – ein idealer Tagungsort für in- und ausländische Werbefachleute in Partylaune.

 

Der Beginn der modernen Wirtschaftswerbung
Werbung hatte sich spätestens in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als unverzichtbares Wettbewerbsinstrument endgültig durchgesetzt. Woran es damals mangelte, war die Kenntnis der Möglichkeiten und Grenzen der Werbung, von Standards und Spielregeln. Der Weltreklamekongress wollte hier für Klarheit sorgen und die Professionalisierung der Werbebranche vorantreiben. „Reklame, der Schlüssel zum Wohlstand der Welt“, lautete das Tagungsmotto – auf dem Weltreklamekongress wurde sogar das „Zeitalter der Reklame“ ausgerufen. Dass dieses Zeitalter dann ganz anders verlaufen sollte als gedacht, ahnten die in Berlin versammelten Werbefachleute noch nicht.
Für die Vorbereitung des Weltreklamekongresses wurde in Deutschland eine umfangreiche Organisation geschaffen, der es in weniger als einem Jahr gelang, den reibungslosen Ablauf des Weltreklamekongresses sicherzustellen.


Berlin 1929 – Welthauptstadt der Reklame
In den Tagungsstätten in der Berliner City und unter dem Funkturm wurden in über dreihundert Vorträgen nicht nur werbefachliche Themen, sondern auch wirtschaftspolitische Aspekte beleuchtet. Insbesondere betrügerischer Werbung und dem Plagiat-Unwesen sollte der Kampf angesagt werden. Das Thema Werbeethik wurde deshalb genau so intensiv behandelt wie z. B. Fragen der Marktforschung, der Werbepsychologie und der Werbegestaltung. Ein Blick in die damaligen Zeitungen zeigt, dass die Qualität der Werbung tatsächlich viel zu wünschen übrig ließ. Überrumpelndes, aufdringliches Reklamegeschrei dominierte:

 18 06 weltreklamekongress 2


Wohltuende Ausnahme: der seriöse Werbeauftritt einiger großer Marken wie Rama, Haribo oder Nivea – Markenchampions , die alle Krisen überstanden haben und sich noch immer großer Sympathie und Wertschätzung erfreuen.

 

18 06 weltreklamekongress 418 06 weltreklamekongress 3Werbung 1929-32

 

„Berlin Babylon“? 1929 nicht mehr ganz
Gefeiert wurde natürlich auch. Nicht ohne Grund hatte man Berlin als Veranstaltungsort auserkoren; als Kultur- und Vergnügungsmetropole nahm die Reichshauptstadt weltweit eine Spitzenposition ein. Bei den amerikanischen Gästen sprachen darüber hinaus noch zwei weitere Argumente für Berlin: der kaufkräftige Dollar und die Drinks. Hier brauchte man nicht wie daheim die Whiskeyflasche in der Hosentasche zu verstecken. (Erst 1933 endete in den USA die Prohibition.) Mit dem wilden, ungezügelten Nachtleben Berlins, dem „Tanz auf dem Vulkan“, war es allerdings nach dem Ende der Inflationszeit Mitte der zwanziger Jahre fast vorbei. Faszinierend waren die Berliner Nächte aber immer noch, wie sich neugierige Kongressbesucher überzeugen konnten. Ob im Haus Vaterland, im Moka Efti, im Resi-Casino oder in den unzähligen Bars, Nachtclubs und Cabarets – gefeiert und getanzt wurde bis zum frühen Morgen…

 

Das Ende des Traums vom Wohlstand
Am 24. Oktober 1929, sechs Wochen nach dem Weltreklamekongress, platzte an der Wallstreet eine gigantische Aktienblase. Die von US-Krediten gestützte deutsche Wirtschaft rutschte in die Depression. Die Weltwirtschaftskrise führte zu Firmenpleiten und Arbeitslosenzahlen von nie gekanntem Ausmaß. Die Nachfrage nach Konsumgütern ging zu-rück, weitere Entlassungen waren die Folge. Das Elend der Arbeitslosigkeit betraf jetzt auch die Werber. Aus dem Traum vom Wohlstand begann, ein Alptraum zu werden. Der Rausch der Goldenen Zwanziger und der Glaube an die Allmacht der Werbung waren verflogen…

 

Das Vermächtnis des Weltreklamekongresses
Das Anliegen des Weltreklamekongresses war es, sich für effiziente, faire Werbung einzusetzen. Innovative Angebote, kundenorientiertes Denken und kreative Werbung – so könnten Krisen überwunden werden. Das ist wohl die wichtigste Botschaft der Generation des Weltreklamekongresses.
Ein Jahr nach dem Weltreklamekongress war es dafür zu spät. Die desaströse Wirtschaftslage und die brutalen Sparprogramme, insbesonde-re im sozialen Bereich, hatten bei der Bevölkerung die Hoffnung auf wirtschaftliche Gesundung restlos zerstört.

 


18 05 kleinert reklamekongress

Dr. Horst Kleinert war vor seiner Berufung zum Professor für Marketing an die Beuth-Hochschule Berlin u. a. Account Manager in einer Werbeagentur in Frankfurt/M. und Redakteur beim Hamburger Marketing-Journal. Er lebt als Autor für Wirtschaftsgeschichte und Tourismusmarketing in Berlin. Kleinert schreibt regelmäßig im Blog „Wirtschaftsthurm“ des Thurm-Wissenschaftsverlag (www.thurm-verlag.de).

Kleinert, Horst: Als die Werber Charleston tanzten. Der Weltreklamekongress 1929 in Berlin. Thurm-Wissenschaftsverlag, Lüneburg 2018. 148 Seiten, ISBN 978-3-945216-24-8 Die Abbildungen sind dem Band entnommen.

Comments powered by CComment

Das könnte Sie auch interessieren

 

© 2018 Marketing Club Berlin e.V. | Alle Rechte vorbehalten.
Realisierung und Umsetzung durch schönwiese.kommunikation, Nicole Schönwiese