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Start-up

Woher besorge ich mir als Startup am besten Geld?

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Bei einer Crowdfunding-Lounge der IHK war eine der interessantesten Publikumsfragen, worin denn die Unterschiede in den diversen Arten der Geldbeschaffung für ein Startup lägen. Der folgende Beitrag soll eine erste Orientierung geben.

 

Grundsätzlich muss ein Gründungsteam entscheiden, ob es zur Kapitalbeschaffung Unternehmensanteile abgeben will oder nicht. Ist dies nicht der Fall, will man nicht nur operativ sondern auch anteilsmäßig volle Kontrolle über sein „Baby“ behalten, scheiden bis auf Bankkredite, FFF (Freundes- und Verwandtenkredite) und öffentliche Zuschüsse alle anderen Optionen aus. Je mehr Geld ins Spiel kommt, besonders bei VCs und Corporate Ventures, desto deutlicher ist es aber auch mit der operativen Handlungsfreiheit vorbei – man spricht von einer Vinkulierung (Fesselung) durch die entsprechenden VC-Verträge („Expand or die“).

Bei Family, Frieds and Fools (FFF) und Banken gilt es, einen langen Rückzahlungshorizont bei niedrigen Zinsen und liquiditätsschonenden Tilgungsraten zu verhandeln. Bei den öffentlichen Förderprogrammen (mit dem EXIST-Programm als Klassiker zur Ausgründung aus der Uni) gibt es keinen Verhandlungsspielraum, da die Konditionen vorgegeben sind.

Neben Bootstrapping (sparsame Gründung aus Eigenmitteln, allenfalls FFF) ist der Business Angel als Seed Investor sehr beliebt. Business Angel sind branchenkundige erfolgreiche Unternehmer, die ihre Businesserfahrungen und ihr Netzwerk gern jungen Firmen gegen Kapitalbeteiligung zur Verfügung stellen.

Der Bankkredit, konditionsgesenkt durch die KfW und landeseigene Förderbanken sowie rückversichert durch die Bürgschaftsbank, ist der Klassiker für die Gründungsfinanzierung, zumal hier auch keine Skalierungsphantasie gefragt ist wie bei VCs.

Eine erst in den letzten Jahren entstandene Finanzierungsform stellt das Crowdinvesting dar: viele kleine Anteilseigner tragen zum Gesellschaftskapital bei und binden sich bei vollem Verlustrisiko und ohne Stimmrechte mehrere Jahre an die Gesellschaft. Marktführer in Deutschland sind Companisto und Seedmatch. Vorteile sind eine z.T. über ein Auktionsverfahren stattfindende Firmenbewertung sowie ein enormer PR-Effekt durch die neuen Gesellschafter und deren soziale Communities.

Das Crowdlending (viele kleine Kreditgeber geben Kredite an Private oder Firmen mit guter Bonität und 3-15% Zinsauskehrung) speziell für die von ihren Hausbanken enttäuschten Mittelständler ist die derzeit dynamischste Crowdfinanzierungsform auf Plattformen wie auxmoney, kapilendo oder Lendico.

Inkubatoren („Anbrüter“) und Acceleratoren („Beschleuniger“, Company-Builder) bieten neben Büroräumen, einer Startfinanzierung, Mentoren und Netzwerk oft auch viel Gründungs- und Teambuilding-Know-how an. Dafür verlangen sie aber oft 3-25% der Anteile am Startup.

Ab der zweiten Finanzierungsrunde (Series A, B etc.) mit höherem Kapitalbedarf werden VCs (Venture Capital-/Private Equity-Gesellschaften) und Corporate Ventures (Beteiligungsgesellschaften größerer Firmen) interessant, da sie 2-10 Mio. EUR oft im Verbund (und gern mit einem öffentlich-rechtlichen wie HTGF = High Tech Gründerfonds oder IBB-Beteiligungsbank als Lead Investor) nach einer ausgiebigen Due Diligence (Analyse des Startups und des Gründungsteams auf Herz und Nieren) und nach einem erfolgreichen Start (mindestens ein Jahr wachsender Umsatz) investieren.

  • Eine Sonderform des Crowdfunding stellt das Neo-Investing der Bergfürst AG dar, wo in Form stimmrechtsloser Namensaktien in eine Immobilien-AG investiert, aber vom ersten Tag an mit den Aktien Handel getrieben werden kann. Die Crowd an Aktionären stemmt hier 2-5 Mio. EUR.
    Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die eben besprochenen Finanzierungsformen:
    Finanzierungsquellen 
    Für die grundsätzliche Herangehensweise an die Kapitalbeschaffung lassen sich folgende Tipps geben:
  • Üben Sie das Pitchen (maximal 10-minütige Präsentation von Geschäftsidee, Markt, Team, Kapitalbedarf und dessen Verwendung).
  • Erarbeiten Sie neben dem ausführlichen Businessplan auch ein Business Model Canvas und mehrere Exposees (One-Pager zum „Anfüttern“, 2-10 Seiten etwas ausführlicher).
  • Setzen Sie einen wasserfesten Gesellschaftsvertrag auf, damit Teamwechsel nicht zum Aus werden, auch angestellte Manager motiviert und Investoren beeindruckt sind.
  • Benennen Sie rechtzeitig einen Finanzkundigen/Controller/CFO, der Hauptansprechpartner für alle Investoren ist und Anträge, Reportings und Buchhaltung erstellt/ kontrolliert.
  • Kommen Sie frühzeitig mit Geldgebern ins Gespräch, bauen Sie Vertrauen auf für sich und Ihre Idee. Vergessen Sie die Heimlichtuerei, investieren Sie in Umsetzungsgeschwindigkeit.
  • Nutzen Sie immer das Netzwerk an Beratern, Business Angeln, Bankern und älteren wie jüngeren Gründern, die Ihnen wertvolle Tipps und vor allem Branchen- und Finanzkontakte verschaffen können
  • Bei VCs und Corporate Ventures ist die beste Strategie, einen Empfehler einzuschalten, der einzelne Manager der Kapitalgesellschaft gut kennt und dem diese vertrauen.
  • Überlegen Sie genau, ob es für Ihre Geschäftsidee nötig ist, schnell an Wachstumskapital zu kommen. Wenn Sie erst einmal am süßen Tropf des großen Geldes hängen, werden von Gründern gern für die gegenwärtige Produkt-/Firmenentwicklung unnötige bzw. zu frühe Investitionsentscheidungen getroffen und man verliert Fokus und Bootstrapping-Kreativität. Außerdem hat man hohen Reportingaufwand.


© Thomas Andersen 2016



thomas andersen

Dipl.-Kaufmann Thomas Andersen machte sich nach über 20 Jahren in Marketing und Vertrieb von FMCG-Herstellern 2004 mit der Andersen Marketing KG selbständig und berät seither Startups und KMU bei der strategischen Ausrichtung ihrer Geschäftsfelder, bei der Optimierung von Businessplan und Pitch Deck sowie beim Matchmaking mit Banken, Investoren und Kooperationspartnern.

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